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Warum passieren Investmentfehler?

Beim Anlegen tappen die Bundesbürger immer wieder in dieselben Fallen. Experten reduzieren das Risiko und beseitigen kostspieliges Chaos im Depot.
 
 
Wackelige Struktur

Biotechzertifikat, Brasilien-Fonds oder Bundesschatzbrief: Welches Papier passt zu mir? Antwort: Kommt ganz darauf an! Zum Beispiel, welches Risiko man aushält und wie hoch die Verluste ausfallen dürfen. Viele Anleger gaukeln sich vor, extrem wagemutig zu sein. Für die Auswahl nehmen sie sich obendrein zu wenig Zeit. Der TV-Auftritt eines sympathischen Konzern- oder Fondsmanagers oder der „todsichere Tipp“ eines Bekannten genügen, und schon geht es los. Sobald das Depot auch nur minimal ins Minus rutscht, bricht Panik aus. Dabei ist grundsätzlich richtig, dass beispielsweise Aktien nicht fehlen sollten.

Meist überstrapazieren Anleger aber ihr Nervenkostüm, indem sie voll auf die vermeintlich schnellen Renditebringer setzen. Vor allem, wenn sie ihre persönlichen Lebens-umstände außer Acht lassen. Über die optimale Rezeptur im Depot entscheidet das Alter. Je länger man sein Geld für sich „arbeiten“ lassen kann, desto wagemutiger darf man anlegen. Wer indes bald vom Ersparten leben muss, sollte seine Experimentierfreude im Zaum halten. Das Aktiengewicht im Depot sollte nach der Faust-formel „100 minus Lebensalter“ austariert werden. Die Praxis sieht anders aus: Junganleger meiden die Börse, während ältere Investoren gelassener zu riskanten Papieren greifen.


Übergroße Ungeduld


„Was man nicht verkaufen kann, sieht man als Investment an.“ Der zynische Börsianerspruch beschreibt treffend, wie schwer es fällt, Minusmacher aus dem Depot zu entfernen. „Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen“: Der Leitgedanke wird von Anlageamateuren oft ins Gegenteil verkehrt. Je tiefer einzelne Positionen ins Obligo rutschen, desto größer wird die Apathie. In der Hoffnung, dem Einstandskurs nahe zu kommen, verschieben Anleger den überfälligen Verkauf auf den Sankt Nimmerleinstag. Dabei hilft schon die simple Prozentrechnung: Ein Papier, das zuvor 70 Prozent verloren hat, müsste um rund 230 Prozent klettern, damit man mit heiler Haut davonkommt. Doch auch der umgekehrte Fall ist denkbar.

Liefert der frisch hinzugekaufte Fonds nicht sofort den erhofften, zweistelligen Prozentertrag ab, rückt der Neuerwerb auf die „Abschussliste“. Dabei ist ein Minimum an Durchhaltevermögen gerade bei aktienlastigen Produkten vonnöten, damit diese ihre großen Renditereservoirs entfalten können. Das gilt insbesondere für Sparpläne: Die erzielbare Rendite, mit der Anleger kalkulieren dürfen, wird umso verlässlicher erreicht, je länger sie am Ball bleiben. Das zeigen Daten des Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften (BVI): Wer 30 Jahre lang einen global anlegenden Fonds bespart, darf seit 1988 – allen zwischenzeitlichen Wirren am Wertpapiermarkt zum Trotz – mit einer Rendite von 8 Prozent pro Jahr rechnen. Wer nur auf zehn Jahre disponierte, musste sich oft mit weniger, schlimmstenfalls auch mal mit Verlusten begnügen.


Übertriebene Heimatliebe


BASF statt Bali, Daimler statt Dubai: Wenn es ums Ferienmachen geht, sind die Deutschen Weltmeister. Entgegen ihren Urlaubsgewohnheiten lassen die Bundesbürger als Anleger das Ersparte jedoch am liebsten daheim. Beim Blick in deutsche Depots ist von Exotik nichts zu spüren. Hier regiert eher Hausmannskost: Der Deutschland-Anteil in den Wertpapierbeständen bundesrepublikanischer Privathaushalte liegt bei rund 40 Prozent. Global gesehen machen deutsche Aktien aber nur eine Quote am Börsenwert von rund 5 Prozent aus. In Maßen kann es Sinn machen, Inlandsaktien zu bevorzugen.

Schließlich schwingen bei Anlagen von fernen Kontinenten Wechselkursrisiken mit. Aus Angst, internationale Bilanzregeln oder Gesetze misszuverstehen sowie aus Furcht, bei der Dividendenzahlung vom fremdländischen Fiskus über den Tisch gezogen zu werden, lassen viele Deutsche ihren Spargroschen zu Hause. Ertragssorgen gehen in Ordnung, doch Eng-stirnigkeit ist fehl am Platz. Blicken Sie über den Tellerrand hinaus. Die Globalisierung sollte vor Ihrem Depot nicht Halt machen.
 
Fehlende Prinzipientreue


Eintönigkeit im Depot ist also schlecht, aber allzu bunt sollten es Anleger auch nicht treiben. Doch statt ihren ursprünglichen Investmentzielen treu zu bleiben und das Depot beherrschbar und übersichtlich zu halten, laufen sie jedem Trend hinterher – sei er noch so kurzlebig. Als Trophäe ihrer Sammelleidenschaft halten sie irgendwann eine willkürliche Mixtur an Zutaten in Händen, die vor allem Kosten verursacht, aber selten eine gute Rendite abliefert.

Auf frühere Investmentsünden werden ständig neue Risiken gestapelt. Die kritische Frage, ob und wie der Neuerwerb zum vorhandenen Depotbestand passt, wird nicht gestellt. Besonders schmerzhafte Missgriffe leisten sich Anleger regelmäßig bei der Fondsauswahl: Unschlagbar beliebt bleibt die Methode, einfach auf Überflieger aus vergangenen Tagen zu setzen. Die verführerisch dicken Prozentzeichen in den populären Rennlisten machen leichtsinnig. Warnungen wie der obligatorische Hinweis, dass die historische Wertentwicklung keine Prognose zur künftigen Performance zulässt, werden ignoriert.

Wer nach diesem „Top/Flop-Prinzip“ vorgeht, läuft Gefahr, das Beste zu verpassen und stets zu spät zu investieren. „Erst kommt die Hausse, dann die Anleger“, heißt ein bitterer Börsianerspruch. Statt mutig auch mal gegen den Strom zu schwimmen und so zumindest gelegentlich Schnäppchenpreise zu nutzen, schneiden sich Anleger ins eigene Fleisch, indem sie auf erlahmende Trends aufspringen. Die Schuld für diese renditeschmälernde „Prozyklik“ liegt aber nicht bei den Investoren allein. Eine Mitverantwortung tragen auch die Anbieter. „Fondsgesellschaften werfen ihre Marketingmaschine an, sobald die Kurse steigen. Wenn die Produkte auf dem Markt sind, geht es aber oft schon wieder bergab“, meint Gerd Bennewirtz vom Branchenbeobachter SJB. „Die Enttäuschung ist so quasi vorprogrammiert.“

Quelle: Geldidee

Geschrieben von: Ralph Wegner


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