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Wasserinvestments
Matthias Priebs hat einen Hang zum Speziellen. Die Lieblingsaktie des Anlageexperten der Schweizer Bank Sarasin ist die der Firma Badger Meter. Das Unternehmen aus Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin, ist einer der führenden Anbieter von Wasseruhren in den USA. »Bislang zahlten Verbraucher in Amerika in der Regel einfach eine Pauschale ans Wasserwerk«, sagt der 45-Jährige. »Jetzt geht man dazu über, den Verbrauch individuell zu messen – und dafür werden Wasseruhren gebraucht.« Seit Jahresanfang hat die Badger-Aktie zwei Prozent zugelegt. Das ist zwar nicht viel, aber das Papier ist eine positive Ausnahme im Sustainable Water Fund, den Priebs als Fondsmanager verantwortet. Und der häufte seit Jahresanfang mit einem Minus von über 20 Prozent ähnlich hohe Verluste an wie der World Water Index (Wowax), der die zwanzig börsenstärksten Unternehmen weltweit aus den Bereichen Wasserversorgung, Infrastruktur und Reinigung abbildet.
Trotz der Rettungsschirme, die sich die Staats- und Regierungschefs derzeit ausdenken, sind die Börsen nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Nicht mal mehr Rohstoffe gelten als halbwegs sichere Anlage, auch nicht Wasser, das Banken und Finanzberater noch vor zwei Jahren als »blaues Gold« in ihren Prospekten priesen und es in immer neuen Zertifikate verpackten.
Mit der Krise sind sie vorsichtiger geworden, nicht nur, weil sich inzwischen herumgesprochen hat, dass Zertifikate Schuldverschreibungen sind und Anleger damit ihr Geld komplett verlieren können, wenn die emittierende Bank Pleite geht. Sondern auch, weil Wasser ein besonderer Rohstoff ist. Man kann es nicht wie Gold kaufen und einlagern. Anleger können nur in Unternehmen investieren, die wie Badger Meter ihr Geld in der Wasserwirtschaft verdienen. Und die hängen wie jedes andere Unternehmen auch an der Entwicklung der Weltkonjunktur. »Die Baukonjunktur schwächt sich ab, und das betrifft wiederum Wasserwerte«, sagt Fondsmanager Priebs. Das schnelle Geld jedenfalls ist mit Wasserwerten nicht zu verdienen. »Die Investitionen im Bereich Infrastruktur sind teilweise auf zehn bis zwanzig Jahre ausgerichtet«, sagt Dirk Urmoneit von Goldman Sachs in London. »Anleger sollten nicht auf ein kurzfristiges Engagement setzen, sondern Ausdauer beweisen.«
Dabei hat sich an den positiven Marktaussichten nichts geändert. Ähnlich wie Öl wird Wasser immer kostbarer. Zwar ist es im Überfluss vorhanden – rund 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt –, aber nur ein Prozent davon ist trinkbares Süßwasser. Mehr als 1,2 Milliarden Menschen haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen schon heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Hinzu kommt die durstige Landwirtschaft, die rund 70 Prozent der weltweiten Wasservorkommen verbraucht.
Die Bank Sarasin schätzt, dass die Branche in den kommenden zehn Jahren um durchschnittlich zehn Prozent jährlich wachsen wird. Kanalisationsrohre werden ebenso gebraucht wie Filteranlagen, Bewässerungssysteme und Turbinen für Staudämme. Nicht nur in Entwicklungsländern ist die Nachfrage groß. Auch in Industrienationen stehen milliardenschwere Investitionen an. So saniert London zurzeit sein marodes Leitungsnetz, das noch zu Zeiten von Queen Viktoria verlegt wurde.
Investoren haben zahlreiche Möglichkeiten, vom Geschäft mit der Wasserknappheit zu profitieren. Sie können gezielt Aktien von Unternehmen aus der Wasserbranche kaufen oder Anteile an einem Wasserfonds zeichnen. Der Pictet Water Funds, einer der größten Branchenfonds, investiert etwa in große Versorger wie Suez, aber auch in Unternehmen wie Nestlé, einen führenden Hersteller von Flaschenwasser. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete aber auch dieser Fonds ein Minus von 23 Prozent. Geschlossene Fonds, die ausschließlich in Wasserunternehmen investieren, sind bislang rar und äußerst riskant, weil sie eher kleine Nischenprodukte sind.
Anleger können mittlerweile natürlich auch aus mehr als einem Dutzend Zertifikaten wählen – kaum eine Bank, die nicht ein Papier auf irgendeinen Wasserindex oder Aktienkorb aufgelegt hat. Doch sollten Anleger vorsichtig sein, schließlich habe die weltweite Finanzkrise gezeigt, dass »Zertifikate auch Risiken bergen«, warnt Sasa Perovic, Leiter der Zertifikatsanalyse bei der Rating-Agentur Scope Analysis in Berlin. Anleger sollten sich deshalb genau über die Bonität des Emittenten informieren.
Entscheidend ist auch, wie der Emittent eines Zertifikates mit den gezahlten Dividenden umgeht, die gerade bei Versorgern recht großzügig ausfallen. Einige Banken reinvestieren diese nämlich nicht. Und letztlich können auch die Gebühren die Rendite schmälern. Vor allem auf die Managementgebühr und den Spread – die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis – sollten Anleger achten.
Viele Anleger wollen mit ihrem Wasserinvestment auch ökologisch etwas bewegen. »Ein Irrglaube«, sagt Jörg Weber. Er ist Herausgeber des Ecoreporters, eines Branchendienstes, der auf ökologische und ethische Geldanlagen spezialisiert ist. »Nur weil man in Wasser investiert, bedeutet das nicht automatisch ein nachhaltiges Investment«, sagt er. Nur weil jemand eine Aktie von Geberit kauft, einem Schweizer Sanitärunternehmen, das wassersparende Spülkästen herstellt, produziert das Unternehmen nicht einen Kasten mehr. Gerade bei den großen Versorgern sollten Anleger darauf achten, wie ökologisch deren Projekte wirklich sind. »Sie zahlen zwar hohe Dividenden, aber die Gewinne macht die Stromsparte, während die Wassersparte Verluste einfährt«, sagt Weber.
Wer sich von seinen Investments also neben der Rendite auch noch ein gutes Gewissen erhofft, der sollte die Wasserbranche ganz genau unter die Lupe nehmen. So belegt eine aktuelle Studie von Transparency International, dass der Wassersektor enorm anfällig für Korruption ist. »In den Entwicklungsländern steigen durch Korruption die Preise für den Anschluss eines Haushalts an ein Wassernetz um 30 Prozent«, sagt Gabriele C. Klug, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland. Allein der Anschluss von zusätzlichen Haushalten ans Wassernetz – ein Millenniumsziel der Vereinten Nationen – verteuere sich so um geschätzte 48 Milliarden US-Dollar. »Korruption im Wassersektor hat unmittelbare Auswirkungen auf die Verteilung von Armut und Reichtum, auf die Versorgung mit Lebensmitteln sowie Klima und Umwelt«, sagt Klug. »Korruption ist ein grundsätzliches Problem.«
Und das nicht nur in den Entwicklungsländern, auch in den Industrienationen gehört Bestechung zur Tagesordnung, vor allem beim Bau und Betrieb städtischer Anlagen. Unternehmen laden Kommunalpolitiker in exquisite Restaurants ein, finanzieren Urlaube oder Luxusappartements – nur um an den Auftrag zum Bau einer Kanalisation zu kommen. So geschehen in Grenoble, Mailand und Atlanta, berichtet Transparency International.
Anleger, die Skandalfirmen nicht im Portfolio haben wollen, sollten sich gezielt nach nachhaltigen Geldanlagen erkundigen. Der Sustainable Water Fund der Bank Sarasin nimmt etwa ausdrücklich keine Unternehmen auf, die in Korruptionsskandale verwickelt sind – mag die Rendite noch so schön sein.
Quelle: Die Welt-online
Geschrieben von: Ralph Wegner
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Datum
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