Aktuelle Mitteilung
Das Land wo Milch und Honig fliessen...
...war nicht nur biblisch im Alten Testament die Verkörperung des perfekten Aufenthaltsortes
auf Erden, sondern schon vor mehr als 10.000 Jahren die Region,
wo die ersten Städte und Königreiche der Welt entstanden. Die Region zwischen
und um Euphrat und Tigris hatte damals ihren unzweifelhaften Höhepunkt - bevor
massive Klimaveränderungen vor etwa 8.000 Jahren nahezu die gesamte
Region von einer grünen Oase in eine der größten Wüstengebiete der Erde verwandelte.
Heute ist die damalige politische und wirtschaftliche Mitte der Welt nur
noch im wahrsten Sinne des Wortes Nebenkriegsschauplatz der Weltgeschichte
geworden und heißt Irak.
Auf die damalige Klimaveränderung wurde reagiert, die Menschheit zog weiter,
nach Arabien und Nordafrika, nach Europa und (erneut biblisch) auch ins Gelobte
Land. Es wurden neue Königreiche errichtet, neue Kulturen entstanden und die
ersten Versuche überregionaler Machtansprüche wurden gebildet.
Alles nur Historie und Teil einer uralten, nahezu vergessenen und noch technisch
sehr niedrig entwickelten Welt? Natürlich ja und dennoch…
Gehen wir doch nur mal rund 2 Jahre zurück: Ein Land, dessen Wachstum wohl
grenzenlos war, dessen Bürger jedes Jahr reicher wurden, ohne es tatsächlich zu
sein, wo der Traum vom Eigenheim für Jeden Realität werden konnte und wo die
Zukunft golden erschien. Wie Sie sicher sehen, wir haben den Ursprung der
Menschheit längst verlassen und uns dem neuen Kontinent Amerika genähert.
Ähnlich dem Land, wo Milch und Honig flossen, haben auch die Vereinigten Staaten
von Amerika binnen kurzer Zeit unglaubliche Umwälzungen zu verdauen. Der
große Wurf der letzten Jahre kam nicht an und verlief sich stattdessen im Sand.
Dabei kamen viele Probleme gleichzeitig über das Land. Während die ungeheuren
Ausgaben der weltweiten Militäraktivitäten und eine katastrophale wirtschaftliche
Politik den Staat in ungeahnte Neuverschuldungen trieben, rutschte die Wirtschaft
deutlich ins Abseits.
Der Bauboom der vergangenen Jahre gepaart mit fast unendlich billigen Krediten führte zur Immobilienblase und deren Platzen dann zu der aktuell sich noch immer ausweitenden Weltwirtschaftskrise. Ein Gegensteuern
schien nicht mehr möglich, staatliche Maßnahmen wurden erwartet sowie hingenommen und verpufften infolgedessen größtenteils wirkungslos. Doch dann kam Ben Bernanke.
Der Chef der US-amerikanischen Notenbank FED tat das absolut
Unerwartete: Er senkte am vergangenen Dienstag den Diskont-Zinssatz im
US-Dollar auf 0,00%!
Doch was bedeutet dies eigentlich und ist dieser historische Schritt wirklich so einzigartig?
Seit dem Ende der 80er Jahre befand sich Japan in einer zunehmend schwierigen
Wirtschafts- und Börsenkrise. Die Reaktion der Notenbanken damals war klar,
innerhalb von weniger als drei Jahren senkte sie den Diskontsatz von 5,50% auf
0,00%. Das half aber nicht wirklich, denn die Wirtschaft schwächte weiter ab und
bekam erst Mitte dieses Jahrzehnts durch fundamentale Umstrukturierungen
wieder festeren Boden unter den Füßen. D
er japanische Aktienmarkt zeigte dies deutlich: Seit dem Erreichen des Null-Zins-Niveaus stieg der Nikkei kurzfristig erst einmal an, um nachfolgend von über 20.000 Punkten auf den aktuellen
Stand unter 9.000 Punkten zu fallen.
Natürlich ist nun alles ganz anders!
Immerhin wurde in den USA wesentlich schneller reagiert, ein enormes Rettungspaket
von über 700 Milliarden USD geschnürt, der Zinssatz innerhalb von nur 16 Monaten
von 5,75% auf 0,00% gesenkt und zusätzlich die Geldmenge drastisch erhöht.
Und genau hier könnte man beginnen, sich weitreichende Sorgen zu machen…
Laut aktuellen Berichten steigerte die FED die im Umlauf befindliche Geldmenge
in den letzten drei Monaten um 150%. Neben den Zinssenkungen der Versuch,
der schwankenden Bankenbranche einen stabileren Boden unter die sensiblen
Füße zu legen und zumindest indirekt eine echte Chance für die Gesamtwirtschaft:
Denn die enorme Geldmengensteigerung bedeutet vor allem auch eines,
nämlich einen abschwächenden US-Dollar und damit natürlich bessere Exportmöglichkeiten.
Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn die USA sind nun einmal
das Importland dieser Welt und nun bekommt man für den gleichen US-Dollar
weniger Ware. Oder alternativ: Die produzierenden Länder dieser Welt, allen voran
China, bekommen für ihre Ware zwar noch den gleichen Geldbetrag, aber
eben nicht mehr den gleichen Geldwert!
Und so zieht sich die Spirale um den USDollar (durch die Flucht aus dieser Währung) immer enger, während sich die ursprünglich US-amerikanische Krise weltweit ausbreiten konnte. Die USA leben
vom Konsum und der war kräftig; so schaffte das Land in den letzten Jahren die
niedrigste Pro-Kopf-Sparrate aller entwickelten Länder dieser Welt. In der Folge
eine florierende Wirtschaft vor Ort und in allen Exportländern dieser Erde.
Und nun? Das Geld ist knapp (ein Paradoxon bei der zunehmenden Geldmenge…)
und der Konsum bricht ein. Erneut ein Problem für China und Kollegen, die ihre
Ware nun nicht mehr verkaufen und innenpolitisch enorme Probleme bekommen
können, denn ihre Bürger verfügen (in diesem Sinne leider) über die höchste
prozentuale Pro-Kopf-Sparrate nahezu aller Länder dieser Erde; der Konsum
muss also von außen kommen.
Doch lassen wir lieber ab von der Betrachtung aktueller Entwicklungen. Wie kann
es jetzt weitergehen? Kann man hierzu eine wirklich saubere Aussage treffen?
Leider wohl kaum. Auf der einen Seite dürfte es auf der Hand liegen, dass längst
nicht alle Fehler der Vergangenheit mit ihren Folgen bekannt geworden sind und
die bereits angelaufene Spirale wird ohnehin sicherlich noch einige Zeit für weltweit
fallende Wirtschaftsleistungen sorgen.
Andererseits wird auch diese Phase wieder abklingen und dann auch wieder echtem Wachstum Platz machen. Platz auch dafür, das Wachstum diesmal gesünder zu gestalten und aus den Fehlern
der letzten Jahre zu lernen. Und so sollten die historischen Reaktionen nicht auf
die Notenbanken beschränkt bleiben, sondern es sollten vor allem die Aufsichtsstrukturen
der Finanzmärkte angepasst werden.
Auch wenn sich diese gesamten Fundamentaldaten nicht auf das Management
der durch uns beratenen Fonds auswirken und wir lediglich durch deren Auswirkung
auf die Finanzmärkte wohl noch eine Zeit lang den Geldmarkt zumindest
stärker werden nutzen müssen (eine persönliche Prognose des Autors!!), so wünschen
wir Ihnen allen ruhige Gedanken und gute Lösungen für Sie persönlich, die
Sie elegant und schmerzlos durch die jetzige Marktphase bringen werden.
19.12.2008, Olaf-Johannes Eick
www.multi-invest.com
Geschrieben von: Ralph Wegner
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