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Wann wieder Aktien kaufen?

Es gibt eine schlechte und eine gute Nachricht.

Die schlechte: Die deutsche Wirtschaft ist von der weltweiten Krise besonders stark betroffen, weil sie besonders stark vom Export abhängig ist. Das bedeutet, dass vor allem das Verarbeitende Gewerbe leiden wird, weil sich dramatische Rückgänge in der Nachfrage nach Investitionsgütern oder Anlagegütern abzeichnen.

Die gute: Wenn sich die Weltwirtschaft wieder erholt, werden gerade deutsche Unternehmen davon profitieren und können dann voll durchstarten. Die Frage ist nur: Wie lange hält die Abkühlung an und wann wird sich der Trend wieder umkehren?

Diese Frage kann niemand seriös beantworten, obwohl sich Aktienexperten in Zweckoptimismus üben. Sie sehen durchaus Erholungspotential am deutschen Aktienmarkt, rechnen im Durchschnitt mit einem Dax-Stand am Ende des Jahres von 5200 Punkten - das wären rund 19 Prozent mehr als jetzt. Dabei liegen die Schätzungen aber meilenweit auseinander, reichen von 2500 bis 7400 Punkten - ein Beweis für die große Unsicherheit.

Kann man überhaupt etwas auf solche Prognosen geben? Im Aktienjahr 2008 zumindest lagen ausnahmslos alle Experten völlig daneben, niemand hat sich das Ausmaß der Krise vorstellen können. Deshalb übt man sich jetzt auch in Vorsicht, übereinstimmend heißt es nur, dass man vor allem im ersten Halbjahr mit starken Schwankungen rechnen muss.

"Das erste Halbjahr wird sehr schwierig bleiben, wir werden eine Kursrallye sehen und auch entsprechend starke Rückgänge", meint Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Deka-Bank. Vor allem in den ersten beiden Monaten könnten neue Tiefstände getestet werden.

Das muss Anleger aber nicht vom Aktienkauf abhalten. Auch wenn die Zeiten schwierig sind, gibt es Aussichten auf Kursgewinne. Allerdings sollten Anleger wählerisch sein, sich also in Stock-Picking üben, meint der Aktienstratege der Postbank, Ascan Iredi.

So empfiehlt er Unternehmen im Auge zu behalten, die von den geplanten Konjunkturprogrammen profitieren dürften, die Infrastrukturprojekte anbieten, wie zum Beispiel Siemens. Der Konzern hat nach der Beilegung der Korruptionsaffäre auch gute Chancen auf dem US-Markt zu punkten, also bei dortigen Infrastruktur-Maßnahmen berücksichtigt zu werden. Deutsche Baukonzerne - Hochtief und Bilfinger Berger - sind ebenfalls international aufgestellt und können mit Aufträgen auf Steuerzahlerkosten rechnen.

Vorsichtiger sollte man noch bei Unternehmen sein, die sehr konjunkturabhängig sind, wie etwa die Stahlbranche. Die Aufträge sind hier quasi über Nacht eingebrochen, die Preise befinden sich im freien Fall. Da ist erst mit dem Anziehen der Konjunktur Erholung in Sicht. Die Branche reagiert mit drastischen Sparmaßnahmen, Produktionskürzungen und Kurzarbeit darauf.

Das ist auch die Antwort der Autobranche auf die Krise. Auch diese Branche sieht sich weiter einem sehr frostigen Klima ausgesetzt. Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler rechnet noch das ganze Jahr über mit Absatz- und damit Gewinnrückgängen. Vorsicht ist auch in der Bankenbranche geboten, die ebenfalls noch kein Licht am Horizont sieht.

Hiobsbotschaften wie jüngst von der Commerzbank, die nur mit Staatshilfe die Übernahme der Dresdner Bank stemmen kann, oder die Milliardenverluste der Deutschen Bank führen immer wieder zu dramatischen Kurseinbrüchen.

Wo also sind die sicheren Häfen? Wenn Experten zu Aktienkäufen raten, dann haben sie meist defensive Titel im Sinn, also die Papiere von Pharma-, Telekom- oder Energieunternehmen. Die Versorger trotzen der Krise - die Aktien sind aber vor allem wegen ihrer hohen Dividendenrendite attraktiv.

Die Energiebranche lässt aber nicht alle Anlegerherzen höher schlagen. So hat sich die erfolgsverwöhnte Solarsparte im vergangenen Jahr als Rohrkrepierer erwiesen - die Aussichten für dieses Jahr sind ebenfalls nicht besonders ermutigend.

Die Finanzkrise führt zu Rückstellungen bei Investitionen, die Unternehmen müssen auch höhere Kapitalkosten stemmen. Außerdem macht der gesunkene Ölpreis die klassische Stromproduktion wieder attraktiver. Aber das kann sich mit dem Ende der Wirtschaftsflaute wieder ganz schnell ändern.

Nur eins steht also fest: Auch dieses Aktienjahr wird voller Überraschungen für den Dax und damit auch für Anleger sein.

Quelle: FR online

Geschrieben von: Ralph Wegner


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